Station 6: Basilika am Weizberg

 Über die Basilika am Weizberg

Die Kirche „Maria am Himmelberg“, wie sie ursprünglich genannt wurde, ist bereits um 1047 in der Pfarrchronik erwähnt. Diese romanische Kirche wurde durch einen gotischen Zubau erweitert. Die Darstellung dieser Kirche sehen wir auf einem Steinrelief aus dem 17. Jh., welches sich auf der Vorderansicht des doppelseitigen barocken Stiegenaufganges befindet. Auf diesem Bild sind links die Taborkirche, rechts das Schloss Thannhausen und in der Mitte die Kirche am Himmelberg mit Pfarrhof zu sehen.

Die jetzige spätbarocke Kirche wurde in zweijähriger Bauzeit 1757/58, von Josef Hueber, dem größten Barockbaumeister der Steiermark errichtet. Die Innenausstattung kam 10 Jahre später. Josef Adam Ritter von Mölk aus Tirol wurde mit der Freskenmalerei, sowie mit den sechs Altarblättern für die Seitenaltäre beauftragt (1771 – 1775). Die Deckengemälde der fünf Hauptgewölbe behandeln die großen Marienfeste des Kirchenjahres. Das Bild im Chorraumjoch vor dem Hochaltar stellt „Maria Himmelfahrt“ dar. Im nächsten Joch wird das Geheimnis der „Unbefleckten Empfängnis“ verherrlicht. Im großen Gewölbe des Hauptjochs wird das Fest „Maria Lichtmess“ dargestellt. Im folgenden Joch sehen wir „Maria Geburt“. Im Joch über dem Orgelchor ist „Maria Verkündigung gemalt. Die gesamte Malerei wurde von Mölk gemeinsam mit drei Gesellen in nur 221 Tagen vollendet.

Die sechs Seitenkapellen werden durch die Wandpfeiler und die von ihnen ausgehenden Gurtbögen gebildet, sie waren den damals bestehenden Bruderschaften zugedacht.

  1. Der erste Kapellenraum der Kirchennordseite ist der hl. Mutter Anna geweiht. Zu beiden Seiten des Altaraufbaues sind an der Wand Johannes der Täufer und dessen Vater Zacharias abgebildet.
  2. An der gegenüberliegenden Südseite liegt die Josef-Kapelle. Links vom Altarbild ist der hl. Jakobus der Jüngere (Bischof von Jerusalem) und rechts sein Bruder Thaddäus gemalt.
  3. Die Nordkapelle des großen Mitteljoches ist die Abendmahlskapelle, zu beiden Seiten des Altarbildes sind Fresko-Bilder der Pestheiligen Sebastian und Rochus dargestellt.
  4. Die gegenüberliegende Kapelle ist der Heiligsten Dreifaltigkeit geweiht. Nach der Renovierung im Jahr 2001 wurde hier das gotische Taufbecken aufgestellt, seither dient sie als Taufkapelle. Links vom Altarblatt ist der hl. Donatus (Wetterpatron) und rechts der hl. Florian (Feuerpatron) zu sehen.
  5. Auf der Nordseite des letzten Wandpfeilerjoches ist die Kapelle des Heiligen Franz Xaver (Jesuit). Zu beiden Seiten des Altarblattes sieht man die beiden Bauernheiligen Leonhard (Einsiedler und Viehpatron) und Isidor (Patron des Bauernstandes).
  6. Gegenüberliegend ist die Kapelle des hl. Johannes Nepomuk. Zu beiden Seiten stehen die Volksheiligen Barbara (Patronin der Bergleute) und Notburga (Fürbitterin in der Landwirtschaft).

Auf den Zwickeln des großen Gewölbes vom Hauptjoch malte Mölk die vier Evangelisten mit ihren Symbolen.

Der hl. Matthäus, er schrieb das erste Evangelium und verbreitete die Botschaft Jesu in Palästina und Ägypten. Er beginnt das Evangelium mit der menschlichen Abstammung Jesu, daher ist sein Sinnbild ein Engel in Menschengestalt.

Der hl. Markus verfasste das zweite Evangelium. Da dieses am Anfang mit der Stimme des „Rufers in der Wüste“ beginnt, ist sein Symbol der Löwe. Er begleitete den hl. Paulus auf der ersten Missionsreise.

Der hl. Lukas verfasste das dritte Evangelium sowie die Apostelgeschichte. Er begleitete den hl. Paulus auf seinen Missionsreisen. Er war Arzt und der Legende nach auch Maler, sein Symbol ist der Stier.

Der hl. Johannes (Bischof von Ephesus) ist der Verfasser des vierten Evangeliums. Wie ein Adler der Sonne zufliegt, so erhebt sich der Geist zur Wahrheit des ewigen Lichtes in der Kirche Christi, daher ist sein Symbol der Adler.

Unter den Evangelisten sind zwischen den rötlichen Dreiviertelsäulen die lateinischen Kirchenväter dargestellt. Der hl. Papst Gregor der Große (Begründer des gregorianischen Choralgesangs). Der hl. Ambrosius (im Lied „Großer Gott, wir loben dich“ ehren wir sein Andenken). Der hl. Augustinus („Unruhig ist unser Herz, bis es ruht in dir“). Der hl. Hieronymus (Er übersetzte die Heilige Schrift vom Urtext in die lateinische Sprache „Vulgata“).

Der Hochaltar von Veit Königer zählt zu seinen reifsten Leistungen. Die „Gnadenstatue der Schmerzhaften Gottesmutter“ bildet den Mittelpunkt des Altares. Sie ist ein Werk des „Meisters von Neustift“. Sie wurde am 8. Dezember 1758 in Begleitung von 12 000 Menschen feierlich an diesen Ort gebracht, wo wir sie heute noch verehren dürfen. Seitlich des Gnadenbildes knien der Lieblingsjünger Johannes und Maria Magdalena. Zwischen den äußeren Säulen sind Josef von Arimathäa und Nikodemus dargestellt, sie haben den Leichnam vom Kreuz genommen und in den Schoß der Mutter gelegt und später bestattet. In den Fensternischen stehen Maria Salome und Maria Cleophas mit den Salbgefäßen für das Begräbnis. Die lateinische Inschrift über dem Gnadenbild lautet: „Attendite et videte si est dolor sicut dolor meus“ („Merket auf und sehet, ob ein Schmerz gleich ist meinem Schmerz“). Darüber sehen wir Gottvater mit dem Erdball schwebend auf einer Wolkenbank. Der Heilige Geist in Gestalt einer Taube bildet den Abschluss.

Jakob Peyer vollendete 1775 die Kanzel, welche ebenfalls als bewundertes Glanzstück gilt. Über dem Schalldach schwebt als Sinnbild des dreieinigen Gottes ein flammendes Dreieck mit dem Gottesnamen „JHWH“ in hebräischer Schrift. Darunter steht Moses mit den Gesetzestafeln. Die zehn Gebote haben universelle Gültigkeit, das bedeutet, sie sind für alle Völker und Rassen gültig. Diese werden am Rand des Kanzeldaches durch vier Gestalten verkörpert. Ein schwarzer Häuptling symbolisiert Afrika, Europa wird durch einen Ritter in glänzender Rüstung dargestellt, Asien wird durch einen Mongolen und Amerika durch einen Indianer dargestellt. Sie sind eine Allegorie der vier damals bekannten Erdteile. An der Kanzelbrüstung sind die drei göttlichen Tugenden Glaube (Kelch), Hoffnung (Anker) und Liebe (flammendes Herz) dargestellt. In der Bibel lesen wir bei Paulus im 1. Korintherbrief: „Am Ende bleiben Glaube, Hoffnung und Liebe, die größte unter ihnen ist die Liebe“. Gegenüber der Kanzel ist der Rosenkranzaltar. Die Marienstatue sowie die Engelköpfe stammen vom Bildhauer P. Neuböck (1939). Beachten Sie die Spannung zwischen der Marienstatue mit Jesuskind auf dem Arm und dem Gnadenbild, der Pieta am Hochaltar, wo Maria ihren toten Sohn im Arm hält.

1998 – 2005 wurde die Kirche innen und außen vollständig renoviert. Architekt Hermann Eisenköck und der Künstler Hubert Schmalix schufen mit dem schlichten Altar aus Beton und dem bunten Teppich mit Weintraubenmotiv das neue Zentrum des Gotteshauses, sodass es der Liturgie des 2. Vatikanischen Konzils entspricht. Die ehemalige Wachskammer, rechts vom Presbyterium wurde in dieser Zeit zu einer Werktags-Kapelle („Emanuelkapelle“, benannt nach dem Sohn der Familie Gingl, welche diese Kapelle stiftete) umgestaltet. Die Bilder stammen von Hannes Schwarz, der Altar aus Glas von Johannes Rauchenberger.

Seit 2017 ziert das Papstwappen die Glastür zum Innenraum der Basilika. In diesem Jahr wurde die Kirche zur “schmerzhaften Muttergottes“ vom Papst zur Basilika ernannt, die fünfte in der Steiermark.

Text von Mag.a B. Goldgruber
Quellen:Wegzeichen des Glaubens: Almer Gottfried, Hrg.: Pfarre Weiz
Weizbergkirche Steiermark: Mag. Lebenbauer Franz, Hrg. u. Verleger: Pfarramt Weiz

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