Station 1: Tabor

 Über die Taborkirche

Die Taborkirche steht auf historischem Boden. Hier war römisches Siedlungsgebiet. Die Kirche wird im 12. Jh. von Luitold III. von St. Dionysen-Waldstein auf Gutenberg erbaut. Schutzpatron der Kirche ist der hl. Thomas Becket, Bischof von Canterburry. Er wird 1170 ermordet und 1173 heiliggesprochen. Von der Heiligsprechung bis zur Einweihung der Taborkirche 1188 sind erst ein paar Jahre vergangen, daher ist sie eines der frühesten Beispiele für die Verehrung des Thomas Becket im süddeutschen Raum. Die meisten Thomaskirchen sind nämlich dem Apostel Thomas geweiht.

Am 11. Mai 1188 findet in der St. Thomaskirche eine Stifterversammlung statt, in Anwesenheit von 40 Rittern als Zeugen. Luitold der III. übergibt dem Kloster Göß, wo seine Tochter Ottilie Äbtissin ist, Rechte und Besitzungen. In der errichteten Urkunde werden Weiz und die Kirche erstmals erwähnt.

Durch Erbfolge kommen im 13. Jh. Weiz und die Kirche an die Wildoner und Kuenringer. Von ihnen erwerben die Stubenberger durch Kauf die Herrschaft Gutenberg mit Weiz.

Mitte 14. Jh. wird an die romanische Kirche ein gotischer Altarraum mit Gewölberippen, Strebepfeilern und Maßwerkfenstern angebaut. An der Decke des 5/8 Chores mit Gewölberippen sind zwei Schlusssteine erwähnenswert: Lamm Gottes und Rosette. Auf diese wird bei der Neugestaltung des Altarraumes im 21. Jh. Bezug genommen. Zur selben Zeit wird der Altar der hl. Katharina eingeweiht.

Im 16. Jh. wird zum Schutz vor den Osmanen eine Wehranlage mit Rundtürmen (Tabor) errichtet. Das von Kaiser Ferdinand I. verliehene Marktwappen zeigt diese Anlage. Es ist heute das Stadtwappen von Weiz.

Im 17. Jh. zur Zeit des Protestantismus dient die Kirche mehrere Jahre als protestantisches Gotteshaus. In der Zeit der Gegenreformation wird die Kirche wieder katholisch. In dieser Zeit wird ein dreijochiges Gewölbe eingebaut, die Fenster an der Südseite werden vergrößert, eine Sakristei wird zugebaut und der Turm erhöht.

Nachdem das türkische Heer bei Wien besiegt worden war, somit aus dem Osten keine Gefahr mehr droht, wird anstelle der Wehrmauern ein Wohnhaus errichtet, in dem in den folgenden Jahren die bürgerliche Marktschule, eine Musik- und Chorschule und schließlich der erste Kindergarten untergebracht sind. Heute wird das Haus als Wohnraum, bzw. für pastorale Zwecke benutzt und einige Räume stehen auf Grund einer Stiftung einem Priester („Benefiziaten“) zu. Am Ende des 17. Jh. wird die Kanzel von Propst Ernst aus Pöllau gestiftet.

Im 18. Jh. kommen die Ordensleute der Dominikaner für drei Jahre an den Tabor. Der Außenaufgang zur Orgelempore wird errichtet. Von Gräfin Maria Elisabeth Wurmbrand wird ein „ewiges Beneficium“ gestiftet, welches Bischof Ernst und Kaiserin Maria Theresia bestätigen. Die bis heute verwendete Orgel vom Grazer Orgelbauer Schwarz stammt ebenfalls aus dieser Zeit, sowie der barocke Hochaltar von Veit Königer und das gemalte Altarbild von Josef Adam Ritter von Mölk. Beide Künstler sind zur selben Zeit auch in der Wallfahrtskirche am Weizberg tätig. Das Gemälde zeigt den hl. Thomas von Canterburry. Er ist als Mittler und Fürsprecher vor der heiligen Dreifaltigkeit dargestellt. Er zeigt als Patron der Marktkirche auf den Markt Weiz, den der Maler in seinem damaligen Bestand wiedergegeben hat. Rechts vom Bild, neben der Säule steht Paulus mit Buch und Schwert. Auf der linken Seite steht Philippus Neri.

Im 20. Jh. werden die Fresken, die aus verschiedenen Zeiten stammen, von Prof. Fritz Silberbauer restauriert bzw. ergänzt. Die Fresken im Chorquadrat zeigen deutlich drei Lagen: Von der mittelalterlichen Bemalung lassen sich horizontale Zonen erkennen. Die Deutung dieser Reste als jüngstes Gericht ist möglich aber nicht gesichert. Im rechten Bildrand, um 1300 entstanden, ist die hl. Margaretha zu erkennen. Der linke Teil oberhalb des Einganges zur Sakristei, stammt aus einer darüberliegenden Bemalung aus dem 15.Jh. und zeigt ein knieendes Stifterpaar. Der breite, zerstörte Mittelteil ist eine Ergänzung von Prof. Silberbauer und zeigt Christus als Weltenrichter, Posaune blasende Engel, den Erzengel Michael mit der Seelenwaage und die Auferstehung des Fleisches.

Die Malerei im ersten Joch des Kirchenschiffes stellt die grausame Marter des hl. Achatius und seiner „zehntausend Getreuen“ dar, wie sie am Berg Ararat in eine mit Dornen und spitzen Pfählen gespickte Schlucht gestürzt werden. Zwei darüber schwebende Engel setzen dem in Kreuzesform gepfählten Heiligen die Krone des Märtyrers auf. Daneben sind Szenen aus dem Leben des Kirchenpatrons Thomas von Canterburry zu sehen: Der Erzbischof bei der österlichen Fußwaschung, beim Gebet, seine Ermordung in der Kathedrale und seine Aufbahrung.

Das mittlere Joch des Kirchenschiffes zeigt eine „biblia pauperum“ (Armenbibel). In den drei Streifen der Bilderbibel sind Szenen aus der Schöpfungsgeschichte, der Passion Christi und dem Marienleben gargestellt. Auf einer Bank sitzen (wie auf einem Thron) nebeneinander die hl. Anna mit Maria und dem Jesuskind am Arm (diese Darstellung wird „Anna Selbtritt“ genannt) sowie Gottvater mit dem Gekreuzigten vor sich (wird als „Gnadenstuhl“ bezeichnet, beide Darstellungen stammen aus dem 15. Jh.).

Drei Glocken aus der Wiener Glockengießerei werden geweiht und aufgezogen. In das 20. Jahrhundert fallen auch die Innenrenovierung, einschließlich der gesamten Elektroinstallation, sowie die Außenrenovierung von Kirche und Turm. Die Generalsanierung des Taborgebäudes, die Instandsetzung der Umfassungsmauern vom einstigen Tabor und die Neugestaltung des Hofes.

Ausgangspunkt für eine Besichtigung der gesamten Taboranlage ist die Mariensäule am Hauptplatz. Sie weist auf Maria, als Schutzpatronin der Pfarre und der Pfarrkirche am Weizberg, welche 2017 zur Basilika ernannt wird, hin.

Text von Mag.a B. Goldgruber
Quellen: Wegzeichen des Glaubens: Almer Gottfried, Hrg.: Pfarre Weiz
Taborkirche Weiz, Hrg.: Pfarramt Weiz

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