Station 2: Evangelische Kirche

 Über die Gustav-Adolf-Kirche Weiz

In der Zeit zwischen 1530 und 1590 wandten sich in Weiz wie überall in der Steiermark viele Menschen dem Protestantismus zu. Graf Stubenberg beherbergte auf seinem Schloss in Gutenberg bei Weiz evangelische Pfarrer, die Taborkirche wurde ca. 1547 bis 1600 Gotteshaus der Protestanten. Im ausgehenden 16. Jahrhundert wurde die Region gewaltsam gegenreformiert, 1601 schließlich wies man die evangelischen Prediger, Schulmeister und Schreiber aus.

Um 1900 gehörte Weiz wieder zu den Orten, die von Graz aus mit regelmäßigen Gottesdiensten und Religionsunterricht versorgt wurden. In den nächsten zwei Jahrzehnten waren die Vikare der Predigtstationen in Fürstenfeld und Feldbach zuständig, im Jahr 1904 kam es in Weiz zur Bildung einer Gruppe des Deutsch-Evangelischen Bundes, dem ca. 50 Personen angehörten. Etwa die Hälfte davon war evangelisch.

Bereits vor dem ersten Weltkrieg deckt Vikar Erich Pechel mit dem Fahrrad das geografische Gebiet zwischen Feldbach und Birkfeld ab. Monatlich hält er vor 20 bis 40 Besuchern Gottesdienst im Elin-Casino. Noch herrscht der Geist der Gegenreformation. Gegen die Zuweisungen der verstorbenen Evangelischen im Selbstmörderwinkel oder auf sonst einem abseits gelegenen Platz protestierte er vergeblich.

Mit dem ersten Weltkrieg wird die Versorgung von Weiz schlechter, da auch in Feldbach kein Vikar mehr tätig ist. Die dringendste Sorge bleibt das Friedhofsproblem, es soll sich noch viele Jahre nicht lösen. Wegen der relativ großen Zahl evangelischer Christen im Raum Weiz setzt man sich in Graz vehement für die Gründung einer eigenen Pfarrgemeinde ein und unternimmt alles, um die finanziellen Voraussetzungen dafür zu schaffen.

Im Jahr 1956 erfüllt sich endlich der jahrzehntelange Traum einer eigenen Kirche. Der erste Gottesdienst in der Gustav-Adolf-Kirche wird am Palmsonntag 1956 gefeiert. Im Kirchenanbau befindet sich eine Wohnung für die Pfarrerfamilie, auch ein neu eingerichtetes Zimmer für die Gemeindeschwester steht zur Verfügung.

Das Kirchengebäude steht auf einem Areal, das in historischen Stadtplänen als „Freidhof“ ausgewiesen ist. Ursprünglich hatte man der evangelischen Gemeinde ein anderes Grundstück zugewiesen. Man war zunächst gar nicht glücklich mit dem Tausch, denn der Platz war feucht, das Gelände voller Gebeine aus längst vergangenen Tagen. Als Mitte der 50er Jahre die Kirche errichtet wurde, sammelte man die gefundenen Knochen in Leintücher und brachte sie zur Bestattung auf den Friedhof am Weizberg. Mit der Errichtung der Kirche erkannte man aber die Exklusivität des Standortes: Mitten in der Stadt und für jede und jeden, der die Stadt durchquert nicht zu übersehen.

Das Kirchengebäude wurde im Jahr 2012 grundlegend renoviert. Der als Wohnung für den Pfarrer konzipierte Anbau wurde zum Gemeindezentrum, der Kirchenraum modernisiert. Die Mitglieder der Pfarrgemeinde zeigten sich begeistert.

Das Pfarrgebiet umfasste seit der Gründung der Evangelischen Pfarrgemeinde. A. u. H.B. Weiz (Ausburger = lutherisches Bekenntnis und Helvetisches = reformiertes Bekenntnis) den gesamten Bezirk Weiz und bestand aus der Muttergemeinde Weiz mit der nördlichen Hälfte des Bezirks und der Tochtergemeinde Gleisdorf mit der südlichen Hälfte. Seit der Jahrtausendwende ist Gleisdorf selbstständig. Die Grenze verläuft mitten durch das Gemeindegebiet von St. Ruprecht.

Derzeit sind etwa 400 Evangelische Mitglied unserer Pfarrgemeinde. Der Gottesdienst wird an jedem 2. und vierten Sonntag des Monats gefeiert, sowie an den hohen Feiertagen. Im Durchschnitt besuchen einen Gottesdienst 35 Personen. Die Möglichkeit zum persönlichen Austausch nach jedem Gottesdienst beim „Kirchenkaffee“ hat viel zum familiären Klima unter den Gemeindemitgliedern beigetragen.

Wir freuen uns besonders, dass unsere Gottesdienste auch von katholischen Glaubensschwestern und -brüdern geschätzt und besucht werden.

Spiritueller Weg: Im Herbst 1999 übernimmt mit Klaus Niederwimmer aus Kärnten das Amt des Pfarrers der Gemeinde Weiz. Er entwirft mit Fery Berger das Konzept für den Ausstellungspart im Rahmen der Landesausstellung im darauffolgenden Jahr. Das Thema in der Gustav-Adolf-Kirche ist durch den seit Jahren in den Räumlichkeiten befindliche Weltladen authentisch vorgegeben: Die Weltreligionen. Deren Vertreter sind in den Monaten der Landesausstellung eingeladen, sich jeweils für 3 bis 4 Wochen im Meditationsraum der Kirche zu präsentieren bzw. sich in Veranstaltungen vorzustellen.

In besonderer Weise wird der Vorplatz genutzt: Im vorderen Bereich ist in einem Container eine Ausstellung zur Arbeit von Günter Zgubic in Brasilien untergebracht. Eine weitere Ausstellung zur Arbeit des Grazer Pfarrers Wolfgang Pucher fordert zu manchen, wichtigen Diskussionen.

Text von Brigitte Luschnigg

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